Fünf Fagen an Angela Krause, was Ladenbautrends über den Einzelhandel sagen

Interview mit Angela Krause, Leitung dLv-Geschäftsstelle

"Die sogenannte Customer Journey ist so oft beschrieben worden, sie klingt so einfach und ist doch so schwer umzusetzen"

Am Sonntag beginnt in Düsseldorf wieder die weltweit größte Einzelhandelsmesse Euroshop. Sie findet alle drei Jahre statt; überbrückt wird die Zeit von der kleineren Schwestermesse Eurocis, auf der Entwicklungen von Elektronikdienstleistungen im Handel gezeigt werden. Die Euroshop, die bis zum 26. Februar dauert, ist nicht nur Trendbarometer, sondern immer auch ein Gradmesser für die Entwicklungen im stationären Handel. Wir fragen Angela Krause, Leiterin der Geschäftsstelle des Deutschen Ladenbauverbandes, wie es um den Einzelhandel aus Ladenbau-Perspektive steht.

LD: Mit welchem Thema gehen Sie zur Euroshop?

Angela Krause: Wir vertreten die Ladenbau- und Zulieferunternehmen. Unser Thema ist, den unter großem Druck stehenden stationären Handel mit qualifizierten Storekonzepten und deren Ausbau zu unterstützen. Der Verband wird in Halle 11 auf der EuroShop mit dem größten Gemeinschaftstand seiner Geschichte vertreten sein. Bei uns stellen 21 Mitgliedsunternehmen aus allen Sparten auf 1.200 Quadratmetern aus.

Das klingt nach einem ziemlichen Erfolg für den Ladenbauverband. Oder wie bewerten Sie das? 

Der diesjährige Auftritt des DLV ist für den Verband ein großer Erfolg, ohne Frage. Wir können für unsere Mitglieder eine Plattform bieten, die sie gern annehmen. Sie profitieren von der Präsenz des DLV; wir sind die einzige Organisation der Ladenbaubranche. Betrachtet man es aus Besuchersicht, ist es aber eine zumindest erstaunliche Entwicklung. Wenn große Firmen nicht mehr selbst ausstellen wollen, sondern beim Verband andocken, hat sich das Thema der EuroShop verändert. Wir werden eine Messe sehen, deren Hallen im Bereich der Digitalisierung und Energieeffizienz voll sein werden. Diese innovationsgetriebenen, aber technischen Branchen stecken täglich in Entwicklungen für den POS. Das ist genau das, was eine Messe vorrangig liefern soll: Innovationen. 

Das heißt, wir werden weniger Ladenbau-Ideen sehen? 

Die Ladenbauer können individuell geplante Projekte entweder nicht zeigen, weil der Kunde das nicht möchte. Oder sie haben es schwer, mit ihren Leistungen, die kein Produkt zum Anfassen sind, in der Masse der Aussteller hervorzustechen. Wie stellt man hervorragende Dienstleistungen so dar, dass der eilige Messebesucher stehen bleibt? Wer als Ladenbauer Serienmöbel herstellt, hat es da leichter. Allerdings nimmt in diesen Bereichen der Wettbewerb aus dem Ausland zu. Wir werden in Düsseldorf viele internationale Aussteller in diesem Bereich sehen.

Wie beurteilen Sie aus Sicht des Ladenbaus die Entwicklung im Einzelhandel?

Die Entwicklung im stationären Handel ist zäh, der Onlinehandel legt wieder deutlich zu. Die Investitionsneigung des Handels ist zwar zuletzt leicht gestiegen, sie ist aber bei weitem nicht da, wo es die Ladenbauer erfreuen würde. Es werden Projekte verschoben, es wird eher um- als neugebaut, Investitionen in großem Umfang fehlen. Warum sie fehlen, hat sicher Gründe: Geldmangel, fehlende Strategie, Hoffnung, dass „es so schlimm schon nicht kommen werde“. Nicht wenige Einzelhändler haben Nachfolgeprobleme und schließen lieber, als noch einmal zu investieren. Das ist aus wirtschaftlicher Sicht dann verständlich. Die Ladenbauer sind mit der Auftragslage nicht zufrieden und die Branchenmesse, also die Euroshop, bildet das ab. Nun kennen wir jede Menge aufmunternde Sprichwörter oder Zitate, wie das von den Chancen, die es zu nutzen gilt und den Misserfolgen, aus denen wir lernen. Die Geschwindigkeit, mit der die digitale Transformation voranschreitet, ist jedoch atemberaubend. Es fehlt vielen Unternehmen der benötigte lange Atem, sei es aus finanziellen Gründen oder wegen fehlender Manpower oder Strategie. Die Transformation muss man als Unternehmen durchstehen können. Das gilt für jedes Unternehmen, ob Retailer oder Ladenbauer oder andere.

Was müsste der Handel stattdessen tun?

Die sogenannte Customer Journey ist so oft beschrieben worden, sie klingt so einfach und ist doch so schwer umzusetzen – gerade im stationären Handel. Der Kunde will keinen digitalen Tsunami im Geschäft erleben. Er will das, was er online rund um die Uhr gewöhnt ist: Verfügbarkeit, Preistransparenz, klare Präsentation, gute Beratung. Der Handel vor Ort hat vor allem den Service lange vernachlässigt. Der schönste Laden, den unsere Mitglieder sicherlich einzurichten imstande sind, verkauft nicht, wenn auf der Fläche keine Fachkräfte zu sehen sind, der Kunde nicht willkommen geheißen und stattdessen ignoriert wird. Der stationäre Laden hat niemals mehr die Möglichkeit, alle Waren vorzuhalten, die der E-Commerce anbieten kann. Eine kuratierte, besondere Auswahl kann hier helfen. Es gibt mittlerweile Berge von Studien und Fachliteratur, wie der stationäre Laden zu einem anziehenden Geschäft werden kann. Wühlt man sich durch, stellt man eines fest: Kopieren kann man nicht mehr, man muss sich die Mühe machen, sein Geschäft hinsichtlich Zielgruppe, Community, Warenangebot, Umgebung zu durchleuchten und dafür ein Angebot zu schaffen. Mir ist in Erinnerung, dass vor vielen Jahren ein Referent eines großen Händlers in seinem Vortrag sagte: „Früher haben wir Produkte gekauft und dafür Kunden gesucht. Die Kunden mussten kaufen, was wir ihnen als Auswahl angeboten haben. Die Zeiten sind vorbei. Heute haben wir Kunden und für diese kaufen wir kuratiert die Waren, die zu ihnen passen“. Das bringt es auf den Punkt. Das ist eben anstrengend, aber nur so ist der Retailer erfolgreich.

Interview mit Matthias Koeffler für den LANGENDORFS DIENST (www.langendorfs-dienst.de)