Stefan Kunze, Geschäftsführender Gesellschafter Kunze architektur + design / Kunze GmbH, Elmshorn
Was sind für Sie die wichtigsten Faktoren, die einen stationären Fashionstore erfolgreich machen?
Eine einzige Antwort gibt es hier nicht. Es sind viele Dinge, die zum Erfolg führen. In der Regel zeigen die wirtschaftlichen Ergebnisse eines Unternehmens innerhalb eines bestimmten Zeitraums, ob ein Unternehmen erfolgreich ist. Weitere Maßgrößen sind aber auch langjährige Familientradition, hohe Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. Hinter dem Erfolg im stationären Fashionhandel stehen in erster Linie Menschen.
Und diese Menschen sind wichtig für tolle Erlebnisse oder besondere Momente und die richtigen Produkte für die Kunden. Ganz wichtig dabei ist, dass die Kunden sich wohlfühlen! Der Kunde braucht ein gutes Gefühl, muss willkommen sein und die Aufmerksamkeit erhalten, die er erwartet – und das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Kurz: Der Kunde muss sich geschätzt fühlen und wissen, dass sich vollends um sein Anliegen gekümmert wird.
Wie charakterisieren Sie dabei die Rolle des Personals?
Der stationäre Fashionhandel wird zum Gastgeber – und diese Rolle des Gastgebers ist vielschichtig und kann auch immer wieder anders aussehen: Gastgeber zu sein bedeutet heutzutage weit mehr, als nur die Ladentür zu öffnen. Man muss im richtigen Moment präsent sein, Empathie zeigen und sich um den Besucher kümmern, Erlebnisse für seine Gäste schaffen, begeisterungsfähig und herzlich sein und Authentizität ausstrahlen. Gastgeber kann der Onlinehandel nicht sein, denn Geselligkeit findet im Internet nicht statt. Die soziale Komponente, Menschen um sich haben, einen Plausch halten wie auf dem Wochenmarkt, zuhören – eine Kundenbindung herstellen kann nur ein guter Gastgeber!
Dafür braucht der Händler ein Team, das gerne zusammenarbeitet und dies auch vermittelt. Und dieses Team zu haben und an sich zu binden wird in einer Zeit des Personalmangels nicht einfacher – auch die Leidenschaft und das Herz hierfür, den Beruf wieder als Berufung zu verstehen, nicht nur als Job, um seine Freizeit gestalten zu können. Nur ein zufriedenes und glückliches Team kann den Kunden glücklich und zufrieden machen.
Was kann ein gut geplanter Laden dabei leisten?
Hier unterstützt ein guter Ladenbau: Ein gut geplanter Verkaufsraum mit sorgfältig ausgesuchten Materialien gibt dem Team selbst ein gutes Gefühl, eine Wertschätzung, eine Identifikation und gleichzeitig die Möglichkeit, als Gastgeber zu glänzen. Es ist wie bei einer Feier, einem Empfang, einer Vernissage oder einer Party: Es muss das Drumherum stimmen, um eine gute Atmosphäre zu bereiten. Die Gäste stehen im Mittelpunkt. Buffet, Getränke und Loungesessel, der Kronleuchter, der ausgerollte rote Teppich – das ist alles nur Beiwerk und dennoch unterschwellig wichtig!
Der Ladenbau soll die richtige Ware, das richtige Produkt zur Geltung bringen: Wände, Boden, Decke und Licht sollten das passende Raumgefühl vermitteln, Sitzbereiche und Loungezonen mit ausgesuchtem Mobiliar zum Kunden passen – aber es ist das Beiwerk.
Ein guter Ladenbau gibt dem Händler erst die Möglichkeit, auch ein herausragender Gastgeber zu sein, er schafft Neugierde und Interesse, kann den Kunden dazu bringen, den Laden überhaupt zu betreten und diesen dann zum Gesprächsthema zu machen.
Wieviel Einfluss hat die Ladenbaugestaltung auf den Kunden?
Die Gestaltung des Ladens hat großen Einfluss darauf, ob sich der Kunde wohl und willkommen fühlt. Hier geht es um Wegeführungen, die Übersichtlichkeit im Laden, Warenpräsentation, Farben und Dekoration, Beleuchtung – um die Fragen: Kann der Kunde entspannen, fühlt er sich gut und sicher? Sind die Warenwände richtig platziert, ist auf die Kabinengröße und Ausstattung Wert gelegt worden? Sind die Kabinen sauber und gepflegt? Gibt es ausreichend Sitzmöglichkeiten und sind diese gut auf der Fläche geplant? Café und Getränke? All das ist eigentlich nicht neu, vielen Händlern auch bewusst und ein Bestandteil ihres Erfolgs. Doch der Ladenbau verändert sich, und deswegen gilt es immer wieder zu prüfen: Wann ist die Gestaltung zu überdenken? Muss ich mich dem Zeitgeist und damit auch meinem Kunden anpassen? Sind die Warensegmente noch richtig zusammengestellt?
Gleichzeitig sollte der Ladenbau überraschen – der Kunde sollte stehen bleiben und sich fragen: Was ist das? Ladenbau soll den Kunden auch inspirieren – und vermitteln, dass der Händler „auf dem Stand“ ist, also modisch gut beraten kann, was sich auch in der Gestaltung der Ladenräume widerspiegelt. Dabei steht die Ware im Vordergrund, denn die soll das Interesse wecken. Der Ladenbau soll nicht zu sehr ablenken, aber darf Highlights setzen. Mit einer guten Ladenplanung verhält es sich wie mit einem guten Gastgeber: Er steht im Hintergrund und hält sich zurück, gibt Orientierung und setzt Themen. Und stellt damit andere in den Mittelpunkt!
Erschienen im STORE BOOK 2026. Hier bestellen.
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