Carsten Schemberg, dLv-Präsident und Geschäftsführer Theodor-Schemberg Einrichtungen GmbH
Als Präsident des Deutschen Ladenbau Verbandes ist es mir eine große Freude und Ehre, innerhalb des Vorstands für das STORE BOOK zuständig zu sein, welches mittlerweile schon zum dreizehnten Mal erscheint. Dreizehn Jahre voller herausragender Stores, innovativer Konzepte und großartiger Designs. Aber auch dreizehn Jahre mit One-Hit-Wonders, Branchen, die zunehmend an Boden verlieren, und Händlern, die aufgeben mussten. Auch diese Projekte hatten wir im Buch gezeigt – und blicken mit Wehmut auf die guten alten Zeiten zurück. Welche Zeiten noch einmal? War es früher leichter, ein Handelsgeschäft zu betreiben und seine Kunden zufriedenzustellen? War es einfacher, den Retailer von einem Umbau oder gar einem kompletten Neubau zu überzeugen? Waren Konsumenten einst mit geringerer Auswahl und schlechterer Verfügbarkeit zufrieden? Vielleicht! Es gibt gute Gründe, die Handelswelt in „vor dem E-Commerce“ und „heute“ einzuteilen. Es ergibt Sinn, die immer kleiner werdenden Verkaufsflächen, schrumpfenden Handelsbranchen, öden Innenstädte und vom Onlinehandel verwöhnten Kunden zu erwähnen. All das gab es zwar schon, bevor die ganze Welt das Einkaufen im Internet für sich entdeckte. Doch die Geschwindigkeit, mit der sich diese Faktoren zu einer Existenzfrage für den stationären Handel entwickelt haben, ist erstaunlich, für manche gar beängstigend.
Wie gelingt es uns als dLv, dennoch Jahr für Jahr ein Buch herauszubringen, das Architekten, Designer und Ladenbauer inspiriert? Wie schaffen wir es, Projekte vorzustellen, die nicht in den Boomtowns stehen, sondern in Bad Lauterberg, Prien oder Katzelsdorf? Und wie gewinnen wir Expertinnen und Experten, die uns mit Interviews und Beiträgen ihre Expertise zur Verfügung stellen und jedes Jahr aufs Neue wichtige Impulse liefern? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Aber eines fehlt dabei nie: die Leidenschaft für das, was geschaffen wird. Ich bin Ladenbauer, kein Philosoph. Dennoch zitiere ich den großen italienischen Schriftsteller Alberto Moravia: „Wenn die Passion fehlt, fehlt alles. Ohne Leidenschaft ist nichts zu erreichen.“ Das bringt es auf den Punkt.
Es sind die Menschen, die mit Energie und Hingabe arbeiten, damit dieses Buch in seiner Gesamtheit entstehen kann. Menschen wie die Chefs der Bäckerei Lener aus Innsbruck, die eine neue Bäckerei eröffnen wollten und ihrem Planer nur eine Anweisung gaben: „Bitte einfach anders!“ So entstanden Die Brotbuben – eine Art Bäckerdisco. Discokugeln im metallic-blauen Ambiente sind die vorherrschenden Elemente in diesem ungewöhnlichen Laden. Ein Raumschiff, das in Tirol gelandet ist. Der Erfolg ist den Brotbuben garantiert.
Es sind die Menschen, wie sie bei Tippkötter in Emsdetten arbeiten, einer TÜV-zertifizierten Meister-Werkstatt, die in vierter Generation seit 90 Jahren ihre Leidenschaft fürs Zweirad lebt. Der Schritt von der Fahrradwerkstatt zum Lifestylecenter für Bike-Enthusiasten ist groß. Das Wort Customer Journey geht nicht jedem Handwerker leicht über die Lippen. Doch das große Team von Tippkötter steht voll hinter dem Konzept und verzahnt die unterschiedlichen Anforderungen perfekt.
Es sind Menschen wie das Team von Arhimetrics aus Slowenien, die den Alto Store in Lubljana geplant und gebaut haben, ausgezeichnet als Interior of the Year 2025 in Slowenien. Die Aufgabe: anspruchsvolle Kundenwünsche, historische Bausubstanz, enger Zeitrahmen und begrenztes Budget unter einen Hut zu bringen. Ihr Einreichungstext lautete: „Wir als Architekten haben das Potenzial erkannt, statt uns vor den zig Schichten zu fürchten, die dem Gebäude im Laufe der Jahrzehnte hinzugefügt wurden. Wir sind Designer, die Möglichkeiten sehen, wo andere Probleme sehen.“
Es sind Menschen wie die Händler und Storedesigner aus der Ukraine, die in einer Zeit, in der ihr Land täglich unter Beschuss steht, großen Mut und eben Leidenschaft beweisen. Denn sie planen und eröffnen, allen Widrigkeiten zum Trotz, Stores, und zwar keine mittelmäßigen. Zwei davon stehen in Kiew und sind im Buch vertreten. Beide sind einzigartig und stylish. Und schließlich sind es Menschen wie die Macher von Breuninger, Gaggenau oder dem japanischen Fashionlabel m-i-d, die immer wieder mit neuen Projekten im STORE BOOK erscheinen. Sie stehen nicht still, sondern entwickeln sich ständig weiter – oder erfinden sich regelmäßig neu.
Dass es gelingen kann, einen einladenden stationären Handel zu gestalten und zu betreiben, zeigen zwei Experten in ihren Beiträgen. Stefan Kunze, Architekt aus Elmshorn, schreibt über die Rolle der Ladeneinrichtung. Sie ist unverzichtbar und macht aus einem schlichten Verkaufsraum eine attraktive Bühne, auf der der Händler seine Funktion als Gastgeber ausfüllen kann. Dazu gehören Empathie, Begeisterungsfähigkeit, Herzlichkeit und Authentizität – Leidenschaft eben. Ohne sie nützt das beste Design nichts. Alina Zierath verkauft Spiegel. Wer sich mit ihr unterhält, landet schnell bei ihrem Herzensthema: der Umkleidekabine. Wie wichtig sie für den Verkauf ist, welche Dos und Don’ts es gibt und welche kleinen Dinge entscheidend sind: All das vermittelt sie so überzeugend, dass man sich fragt, warum nicht alle Stores nach ihren Empfehlungen ausgerüstet sind. Da fehlt wohl die Leidenschaft!
Das ist nur ein Ausschnitt der zahlreichen Projekte, die im diesjährigen Buch vertreten sind. Hervorzuheben sind sie alle, denn jedes einzelne wurde bewusst ausgewählt und verdient unsere volle Anerkennung. Ich danke allen Experten und Expertinnen, die uns wie immer sehr gern mit ihrem Wissen unterstützt haben. Vor allen Beteiligten habe ich großen Respekt – für ihre Passion, ihre Hingabe und ihre Begeisterung. Mögen sie sich diese Eigenschaften bewahren, denn nur so gelingt es uns, Jahr für Jahr ein neues STORE BOOK zu veröffentlichen.
Mein besonderer Dank gilt den Unternehmen, die uns mit einer Anzeige unterstützen. Ohne ihre Unterstützung wäre dieses Buch nicht möglich gewesen. Ebenso freue ich mich sehr über die Vielzahl an Einreichungen, die uns auch diesmal wieder die sprichwörtliche Qual der Wahl beschert haben. Ein herzliches Dankeschön an alle, die Läden beauftragen, planen, bauen, Material und Komponenten liefern, fotografieren und ihre Projekte schließlich beim dLv einreichen. Ohne Sie alle würde dieses Buch nicht entstehen.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen, Entdecken und Inspirierenlassen!
Carsten Schemberg
Erschienen als Vorwort im STORE BOOK 2026. Hier bestellen.
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