Warum Ladenbauer heute strategische Partner des Handels sein müssen

Carsten Schemberg, dLv-Präsident und Geschäftsführer der Theodor Schemberg Einrichtungen GmbH

Mehr als Möbel

Der Ladenbau befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wo früher die Planung und Einrichtung eines Stores im Mittelpunkt standen, erwarten Kunden heute deutlich mehr: Beratung auf Augenhöhe, strategisches (Mit-)Denken und Umsetzungskompetenz. Der moderne Ladenbauer ist längst nicht mehr nur Ausführer, sondern integraler Teil der  Wertschöpfungskette des Handels. Wenn es gefordert wird, arbeitet er international und greift dort auf ein Netzwerk von fähigen Partnern zurück. „Made in Germany“ genießt weiterhin hohes Ansehen, doch Zuverlässigkeit und Qualität sind längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr, sondern Grundvoraussetzung im globalen Wettbewerb.

Vom Möbelbauer zum Prozessmanager
Viele Ladenbauer begleiten ihre Kunden heute über den gesamten Prozess hinweg – von der ersten Idee über die Planung und Fertigung bis zur Montage. Der klassische Möbelbau ist bei vielen Unternehmen weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts. Wir sehen aber im dLv zunehmend Mitglieder, die ihre Produktion aufgegeben haben und mit leistungsstarken Subunternehmern zusammenarbeiten. Einige Unternehmen sind stark als Generalunternehmer, andere legen den Schwerpunkt auf die Planung. Allen diesen Firmen ist eines gemeinsam: Sie begreifen sich als Ladenbauer und tragen damit einen wesentlichen Teil dazu bei, dass ein Store überhaupt gebaut werden kann.

Die Komplexität der Arbeit zeigt sich in der Themenvielfalt, die neben Planung, Produktion und Montage zu bewältigen ist: Visual Merchandising, Medientechnik, digitale Tools, anspruchsvolle
Materialien, Kassensystem-Integration, Logistik, Nachhaltigkeit, Brandschutz, Baustellenmanagement, Finanzierungen bis hin zum After-Sales-Geschäft. Die alte Binse „Handel ist Wandel“ gilt mehr denn je. Auf die Ladenbauer hat das tiefgreifende Auswirkungen,denn sie müssen, um die Herausforderungen zu bestehen, das eigene Portfolio ständig hinterfragen, die Abläufe im Unternehmen optimieren, das Personal schulen, sich mit dem Einsatz von KI auseinandersetzen, neue Fertigkeiten aneignen oder in neue Technik investieren, um nur einige Punkte zu nennen. Die Ladenbauer wandeln sich ständig – gemeinsam mit ihren Kunden im Handel.

Beratung statt reiner Umsetzung
Der Anspruch des Handels ist klar. Er möchte vom Ladenbauer ein ganzheitliches Verständnis seines Geschäfts, sucht einen verlässlichen und erfahrenen Partner und erwartet von diesem lösungsorientiertes Agieren. Nicht weniger als das will und muss das engagierte Ladenbauunternehmen leisten. Jeder Kunde ist anders und hat andere Bedürfnisse. Das Marktumfeld im Retail ist komplexer geworden – getrieben durch den E-Commerce, verändertes Konsumentenverhalten und internationale Vergleichbarkeit. Entsprechend tief sind Ladenbauer heute in die Prozesse ihrer Kunden eingebunden und nehmen an Strategiegesprächen teil. Der Erfolg des Kunden ist mehr denn je mit seinen Partnern verknüpft.

Weniger Volumen, mehr Qualität
Die Branche beobachtet seit Jahren rückläufige Storezahlen, kleinere Verkaufsflächen und weniger große Rollouts. Stattdessen gewinnen individuelle Flagship Stores, Showrooms und Testformate an Bedeutung. Marken, die früher nur mit Shop-in-Shop-Systemen präsent waren, setzen längst auf eigene Stores, um ihre Marke erlebbar zu machen. Hybride Formate gehören zur Normalität. Umbau steht vor Neubau, Recycling vorhandener Einrichtungen ist nachhaltig und nicht mehr verpönt. Das Volumen wird kleiner, der Anspruch höher. Qualität, Kreativität und Planungskompetenz rücken in den Vordergrund. Möbel zu liefern gilt als selbstverständlich. Motto: „Das muss der Ladenbauer doch können!“ Gefragt sind ganzheitliche Konzepte und starke Ideen.

Der stationäre Handel bleibt – aber anders
Trotz aller Veränderungen steht fest: Der physische Laden wird nicht verschwinden. Er bleibt sozialer Treffpunkt, Erlebnisraum und Ort der Beratung. Service, Haptik und persönliche Erfahrung lassen sich nicht vollständig digital ersetzen. Erfolgreich im Handel wird künftig sein, wer bereit ist, Konzepte zu hinterfragen, Neues zu testen – und sich ebenso schnell wieder davon zu trennen, wenn es nicht funktioniert. Inwiefern die Händler wirtschaftlich und strategisch in der Lage sind, sich den gravierenden Umwälzungen, die die digitale Transformation mit sich bringt, zu stellen und daraus einen Erfolg zu machen, zeigen die nächsten Monate. Die Ladenbauer jedenfalls stehen als Partner in diesem Prozess bereit.

Die Zukunft ist jetzt
Unsere Branche ist unter Druck. Damit ist sie nicht allein, die Wirtschaft ist allgemein in Deutschland momentan nicht auf Rosen gebettet. Global zeigen sich in Ländern wie China, die Jahr für Jahr enorme Zuwächse verzeichneten, Wachstumsprobleme. Es hilft nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Richtig ist: Ladenbauer müssen heute weit mehr leisten als früher. Sie sind Berater, Netzwerker, Strategen und Umsetzer zugleich. Die Chancen liegen auf der Hand: Wer den Handel versteht, wenn nötig international denkt und bereit ist, Verantwortung über das Projekt hinaus zu übernehmen, wird auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld erfolgreich bleiben.

Erschienen im Insider 81. Hier ansehen und herunterladen.

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