Daten + Fakten

Die aktuelle Lage im Ladenbau

31.03.2021

LIEFERENGPÄSSE, WARTEZEITEN,  PREISANSTIEGE

Die Schlacht ums Material

Funktionieren die Lieferketten noch reibungslos? Mehr als die Hälfte der dLv-Mitglieder sagen „Nein“. 25% bemerken sogar eine wesentliche Verschlechterung gegenüber Januar 2021. Die Entspannung im Sommer und Herbst 2020 war eine kurze Zeit der Normalität. Zunehmend werden seit Jahresbeginn Engpässe,  lange Lieferzeiten und Preisanstiege zum Problem.

Auf Ware aus Asien muss teilweise deutlich länger als früher gewartet werden. Bis sie eintrifft, vergehen nicht selten Monate. Aber auch für Standardmaterialien, die früher innerhalb 24 Stunden verfügbar waren, beträgt die Lieferzeit momentan bis zu drei Wochen. Das ist für die Branche, die sich Flexibilität und Schnelligkeit auf die Fahne geschrieben hat, eine neue Situation. Bei der Materialverfügbarkeit bestehen für die Ladenbauer beim Metall die größten Probleme gefolgt von Dekorplatten. Die Zulieferer haben nach wie vor die größten Schwierigkeiten in der Beschaffung elektronischer Bauteile und LEDs. Ein Grund für die Engpässe bei den Dekorplatten mag am gestiegenen Bedarf der Möbelindustrie liegen. Deren Verband meldete in den letzten Wochen einen deutlichen Anstieg der Fertigung insbesondere bei Küchen.

Zu den Lieferengpässen hinzu  kommen die exorbitant gestiegenen Frachtraten für Container. Die Knappheit bei der Verfügbarkeit der Containerschiffe ist eine Folge des Lockdowns. Die Menschen ar- beiten zuhause, geben kein Geld für Urlaubsreisen oder Restaurantbesuche aus und investieren in ihr Zuhause. Es werden deutlich mehr Waren, u.a. Unterhaltungselektronik, Sportgeräte und auch Fahrrä- der, bestellt als vor der Krise. Diese Waren kommen mehrheitlich aus Asien. Die Reedereien erleben seit August 2020 einen nie dagewesenen Ansturm. Dieser wiederum beeinflusst stark die Preise. Mitglieder berichten, dass früher für eine Containerladung rund  1.000 Euro gezahlt werden musste. Heute sind es bis zu 9.000 Euro, die fällig werden. Einige dLv-Unternehmen aus dem Zulieferbereich haben aufgrund dieser Sachlage ihre Preise anpassen müssen und erheben Lieferzuschläge.

Zum Teil deutliche Preisanstiege beim Material melden 92% der Mitgliedsfirmen insgesamt. Gravierend sind diese bei Stahl, Kunststoff und Kupfer. Insbesondere die Zulieferbetriebe leiden stark unter dem Anstieg der Materialpreise. Gaben bei der Januar-Umfrage noch 74% der Firmen an, unter gestiegenen Rohstoffpreisen zu leiden, sind es jetzt 93%.

Der dLv erhebt regelmäßig unter den Mitgliedsfirmen Daten über die aktuelle Lage. Die hier vorgestellten Zahlen stammen aus der aktuellen Umfrage März 2021.

 

16.02.2021

Ein weiteres Jahr im Ausnahmezustand?

Der Einzelhandel erlebte 2020 ein Jahr der Extreme, so der HDE in einer Mitteilung Anfang Februar 2021. Während die Coronakrise viele Händler an den Rand der Insolvenz bringt, freuen sich andere über Umsatzzuwächse nicht selten im zweistelligen Bereich. Das betrifft vor allem den Lebensmittelhandel, aber auch Möbelhändler und die Baumärkte. Dagegen musste der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes vom 1. Februar 2021 im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen von real rund -20,0 % hinnehmen. Die Ladenbaubranche spürt diese besondere Lage im Handel unmittelbar und durchlebt eine ungewohnte Auftragslage, abhängig von der Branche, für die gearbeitet wird. Das wird aus der aktuellen Umfrage unter den dLv-Mitgliedern deutlich, deren Ergebnis jetzt vorliegt. So meldet fast die Hälfte der Ladenbauunternehmen einen schlechteren Auftragsbestand als 2019, während 29% in 2020 mehr Aufträge als in 2019 verbuchen konnten.

Aussagen zu Investitionen sind vom Handel entweder nicht oder nur unverbindlich zu bekommen. Bei der letzten Umfrage im November hatte die Mehrheit unserer Umfrageteilnehmer befürchtet, dass der Handel im Falle eines zweiten Lockdowns spürbar mit noch größerer Zurückhaltung bei Investitionen reagieren werde. Diese Befürchtungen sind eingetreten. Die Ladenbauer klagen über wenig Planbarkeit. Einzig der Lebensmitteleinzelhandel ist ungebrochen investitionswillig.

In den letzten Wochen sind Klagen über teils deutliche Preiserhöhungen bei Rohstoffen laut geworden. Rund 84% der Ladenbauer bestätigten in der Umfrage Preisanstiege, besonders bei Stahl. Bei den Zulieferern sind es rund 74% der dLv-Firmen, die vor allem im Bereich Kunststoff mit hohen Preisen konfrontiert werden. Auch mit Lieferschwierigkeiten haben die Mitglieder zu kämpfen. Die Ladenbauer spüren die angespannte Lage besonders bei Dekorplatten (58%) und Metall (52%). Die Zulieferer wiederum haben Probleme am Materialmarkt bei Elektronikbauteilen, Natur- und Kunststein sowie MDF- und Spanplatten.

Die Stimmung unter den dLv-Mitgliedern ist dennoch vorsichtig optimistisch. Die Wenigsten rechnen für das laufende Jahr mit nennenswerten Umsatzzuwächsen, sondern sind zufrieden, wenn sie mit einem halbwegs ordentlichen Ergebnis durch die Krise kommen.  Das Jahr 2021 wird sich nach Meinung der Mehrheit der Umfrageteilnehmer nicht wesentlich vom Jahr 2020 unterscheiden. Licht am Ende des Tunnels sehen viele erst für Ende des Jahres 2021. Die Zeit haben viele Unternehmen genutzt, in die eigene Infrastruktur zu investieren, Mitarbeiter zu schulen und Prozessabläufe neu zu organisieren. Das Motto für das Jahr 2021 heißt: Durchhalten!